Ein Auto in einem fremden Land zu mieten, kann stressig sein – und Italien bringt seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich: von versteckten Gebühren und möglichen Betrugsmaschen bis hin zu undurchsichtigen Regeln und Einschränkungen.
1. Brauchst du wirklich ein Auto?
Einige Regionen Italiens lassen sich am besten mit dem Auto erkunden. Wer über die Pässe der Dolomiten fahren oder durch die Nationalparks der Abruzzen touren möchte, schätzt die Freiheit eines Fahrzeugs – ebenso wie in Regionen mit eingeschränktem öffentlichen Nahverkehr, etwa Apulien, Sizilien oder Kalabrien. Viele der bekanntesten Städte Italiens sind jedoch hervorragend mit anderen Verkehrsmitteln erreichbar – entspannter, als sich mit dem Stadtverkehr und der Parkplatzsuche herumzuschlagen.
Gerade in großen Städten kann Autofahren für ungeübte Fahrer ziemlich nervenaufreibend sein – überlege dir also gut, ob du dich dabei wohlfühlst, bevor du dich für ein Mietauto entscheidest.
2. Preise und Rezensionen
Du hast vielleicht eine Lieblingsseite für Mietwagenbuchungen, aber in Italien lohnt sich der Vergleich mehrerer Anbieter. Die Preise auf Websites wie Expedia, Rentalcars.com, Auto Europe oder VIP Cars können sich um mehr als 50 Prozent unterscheiden.
Achte auch darauf, wo sich die Mietstation tatsächlich befindet. Oft werden dir Fahrzeuge an Flughäfen angezeigt, obwohl es nähergelegene Stationen gäbe. Manchmal wird sogar eine Mietstation in einem Industriegebiet empfohlen, das nur mit einem teuren Taxi zu erreichen ist. Wenn du übers Wochenende mietest, kann es günstiger sein, einen Tag länger zu buchen und den Wagen am Montag zurückzugeben – manche Stationen, vor allem in Stadtzentren, haben sonntags geschlossen.
Und nicht zuletzt: Lies Bewertungen des Anbieters. Es gibt in Italien einige Vermieter mit schlechtem Ruf. Ein kurzer Blick auf Google Maps bringt oft schon Warnungen und Erfahrungsberichte zum Vorschein.
3. Versteckte Gebühren
Italienische Autovermieter sind bekannt für versteckte Gebühren – lies das Kleingedruckte sorgfältig. Einige Billiganbieter verlangen Reinigungsgebühren, Tankgebühren, Zusatzfahrerpauschalen oder Versicherungszuschläge, die aus einem vermeintlichen Schnäppchen schnell ein teures Abenteuer machen. Wenn du den Anbieter nicht kennst, schau dir unbedingt dessen Richtlinien auf der Website an. Oft ist das günstigste Angebot nicht das beste.
Wenn ein Anbieter deutlich günstiger ist als alle anderen, kannst du fast sicher sein, dass du die Differenz später an anderer Stelle zahlst.
4. Versicherung
Ein gängiger Betrug bei Mietwagen in Italien: Ein angeblicher Kratzer wird entdeckt – und dafür werden mehrere Hundert Euro “Reparaturkosten” verlangt. Allein deshalb lohnt sich oft der Abschluss einer Versicherung. Viele Online-Vermittler bieten eine Zusatzversicherung beim Bezahlen an – aber lies das Kleingedruckte! Manche Policen decken nur begrenzt Schäden ab und fordern von dir bis zu 1.000 € Selbstbeteiligung, bevor sie greifen.
Andere erstatten dir nur den Betrag, nachdem du vom Vermieter belastet wurdest – du musst also selbst hinter deinem Geld herlaufen. Sicherer ist oft die Versicherung deiner Kreditkarte. Sollte es zum Streitfall kommen, übernimmt die Bank oft die Kommunikation mit dem Vermieter.
Wenn das nicht möglich ist, ist die Versicherung direkt am Schalter meist die einfachste – auch wenn es dort oft mehrere, teils verwirrende Optionen gibt. Deshalb lohnt es sich, im Vorfeld auf der Website des Anbieters nachzusehen, welche Versicherung dort angeboten wird. Diese ist manchmal sogar günstiger als die Online-Angebote – bei besserem Schutz.
5. Mietwagen an Bahnhöfen
Online-Vermieter lotsen ihre Kunden gerne zu Flughäfen, wo viele Anbieter konkurrieren und der Fuhrpark groß ist. Doch mittlerweile gibt es auch viele Stationen in Bahnhofsnähe – da immer mehr Reisende mit dem Zug unterwegs sind.
Wenn du in eine andere Region willst und dort ein Auto brauchst, fahre mit dem Zug und miete erst vor Ort. In großen Städten wie Rom, Neapel oder Mailand kann das Ausfahren vom Hauptbahnhof allerdings für Neulinge eine Herausforderung sein.
Suburbane Bahnhöfe mit Mietstationen können eine gute Alternative sein – einfach zu erreichen und weniger stressig als Flughäfen oder Innenstädte.
6. Fotos machen
Befor du losfährst, dokumentiere den Zustand des Autos gründlich – außen wie innen. Diese Bilder können Gold wert sein, falls es Streit um Schäden gibt. Fotografiere jede Seite aus verschiedenen Winkeln – ein Lichtreflex kann einen Kratzer verdecken.
Auch bei der Rückgabe: Wenn niemand das Auto mit dir gemeinsam inspiziert, mach selbst Fotos und Videos. Eine vollständige Dokumentation schützt dich bei möglichen Streitigkeiten.
7. Mautgebühren
Bei der Reiseplanung kalkuliert man meist nur Mietpreis und Benzin – aber die vielen mautpflichtigen Straßen in Italien können teuer werden. Die Strecke von Venedig nach Mailand kostet über 30 €, Florenz–Rom fast 20 €, Rom–Neapel über 15 €. Im Vergleich zur Bahn wird eine Autoreise schnell zur Kostenfalle.
Auch die Wahl des Fahrzeugs spielt eine Rolle: Diesel oder Benzin macht einen Unterschied, manche Anbieter haben Hybrid- oder Elektroautos im Angebot. Mit Tools wie Via Michelin oder Toll Guru kannst du die voraussichtlichen Kosten für Kraftstoff und Maut auf deiner Strecke berechnen.
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