Golfo dei Poeti: Eine ruhige Alternative zu den Cinque Terre
Die Morgensonne spiegelt sich im azurblauen Wasser, während ich von der Terrasse des Castello di Lerici auf den Golf von La Spezia blicke, besser bekannt als Golf der Dichter. Schon der Name allein weckt romantische Bilder, und das nicht ohne Grund. Diese malerische Bucht in Ligurien hat im Laufe der Jahrhunderte unzählige Dichter und Schriftsteller inspiriert, von Percy Bysshe Shelley bis Lord Byron.
Ein literarisches Erbe
Die Geschichte dieser bezaubernden Küstenregion ist untrennbar mit den großen Namen der Literatur verbunden. Im 19. Jahrhundert ließen sich hier verschiedene romantische Dichter nieder, angezogen vom milden Klima und der atemberaubenden Landschaft. Die tragische Geschichte von Percy Shelley, der 1822 in diesen Gewässern ertrank, verleiht der reichen Geschichte der Region einen melancholischen Unterton.
Perlen an der Küste
Der Golf der Dichter wird von drei Hauptorten umgeben: Lerici, Porto Venere und San Terenzo. Jeder hat seinen eigenen Charakter und Charme, aber sie alle teilen die typisch ligurische Architektur mit pastellfarbenen Häusern, die die Hügel hinaufzuklettern scheinen.
Mit Ausnahme des vielbesuchten Porto Venere ist der Golfo dei Poeti eine attraktive und ruhigere Alternative zu den nahegelegenen, aber oft überlaufenen und daher stressigen Cinque Terre.
Lerici: Das Herz der Bucht
Lerici ist wohl die eindrucksvollste Stadt an der Bucht. Die mächtige Burg, die über dem Hafen thront, wurde im 12. Jahrhundert erbaut und beherbergt heute ein faszinierendes Museum und bietet einen spektakulären Blick über die Bucht. Die gemütliche Promenade (Lungomare) ist perfekt für einen Abendspaziergang, wenn die Einheimischen ihre Passeggiata machen.
*Geheimtipp:* Folgen Sie dem Wanderweg von Lerici nach Tellaro, einem der malerischsten Dörfer Liguriens. Diese etwa einstündige Wanderung führt Sie an versteckten Buchten und durch Olivenhaine. Unterwegs trifft man kaum Touristen.
Porto Venere: UNESCO-Weltkulturerbe
Die bunten Fassaden von Porto Venere bilden eines der meistfotografierten Gesichter der ligurischen Küste. Die San Pietro Kirche, erbaut auf den Überresten eines römischen Tempels, liegt dramatisch auf einem Felsen über dem Meer.
Leider ist es in Porto Venere, besonders in der Hochsaison, oft sehr überlaufen. Der Grund dafür ist die Nähe zu den touristischen Top-Attraktionen der 5 Terre. Auch Portovenere ist mittlerweile vom Massentourismus betroffen.
Wir selbst konnten vor einigen Jahren dort nicht einmal einen Parkplatz finden und fuhren weiter in das charmante Fischerdorf Le Grazie. Dabei haben wir gelernt, dass es sich lohnt, manchmal ein Stück weiter zu schauen, als der klassische Touristenführer vorschlägt!
San Terenzo: Authentische Ruhe
Das kleinere San Terenzo wird von Touristen oft übersehen, aber genau das macht es so charmant. Der Strand ist hier weniger überlaufen als in Lerici, und das mittelalterliche Schloss beherbergt interessante Ausstellungen über die lokale Geschichte.
Tellaro: Das versteckte Juwel
Tellaro ist eines der bezauberndsten Dörfer an der ligurischen Küste. Das kleine Fischerdorf, das zur Gemeinde Lerici gehört, ist so authentisch, dass die Zeit hier stehen geblieben zu sein scheint. Es wurde 2004 in die Liste der "Schönsten Dörfer Italiens" (I Borghi più belli d'Italia) aufgenommen.
Besonderheiten in Tellaro:
- Die Chiesa di San Giorgio aus dem 16. Jahrhundert, die buchstäblich aus den Felsen über dem Meer zu wachsen scheint
- Das Labyrinth der Caruggi (enge Gassen)
- Der kleine Hafen mit aktiven Fischern
- Das "Natale Subacqueo" (Unterwasser-Weihnachten) am Heiligabend
Weitere versteckte Perlen der Regio
Montemarcello
Ein wunderschönes Dorf hoch über dem Golf, wo der Fluss Magra ins Meer mündet. Teil des Regionalparks Montemarcello-Magra mit spektakulären Ausblicken auf den Golf und die Apuanischen Alpen.
Ameglia
Ein mittelalterliches Dorf auf einem Hügel über dem Magra-Tal. Das Castello Ameglia dominiert das Dorfbild, und die engen Gassen bilden ein perfektes Labyrinth zum Erkunden.
Bocca di Magra
Ein kleines Fischerdorf an der Mündung des Magra. Einst beliebter Treffpunkt von Intellektuellen und Schriftstellern wie Eugenio Montale.
Pitelli
Eine der Hauptattraktionen von Pitelli ist die Landschaft mit ihren Wanderwegen, die oft als Zugänge zum Meer dienen und ideal für Spaziergänger, Wanderer und Mountainbike-Fans sind.
Ein besonders reizvoller Weg beginnt an der befahrbaren Straße und führt über kurze, enge Treppen, die sich zwischen hohen, schmalen und bunt bemalten Häusern im klassischen ligurischen Stil winden. Am Ende erreicht man das zentrale „Carrobbio“, die älteste Fußgängerstraße des Ortes, an der sich die Kirche San Bartolomeo (1734) befindet.
Nicht weit davon entfernt, hinter dem Torbogen, der einst den Eingang zum Dorf bildete, liegt das historische Oratorium, der erste Sakralbau in Pitelli, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.
Trebiano
Ein mittelalterliches Borgo-Dorf auf einem Hügel mit einer beeindruckenden Burg aus dem 12. Jahrhundert. Bietet einen herrlichen Blick über das Tal und das Meer.
Fiascherino
Zwischen Lerici und Tellaro gelegen, mit zwei der schönsten Strände der Region. Wurde von Schriftstellern wie D.H. Lawrence geliebt.
Praktische Tipps
Die beste Zeit für einen Besuch des Golfs der Dichter ist Mai-Juni oder September, wenn das Wetter angenehm ist, aber der Sommerandrang noch nicht begonnen hat oder schon vorbei ist. Es gibt einen regelmäßigen Bootsdienst zwischen den verschiedenen Dörfern, was eine angenehme Art ist, die Küste zu erkunden.
Für Wanderer gibt es ein Netz markierter Wege, die die Dörfer verbinden. Der bekannteste ist der Weg zwischen Lerici und Porto Venere, der Teil der Alta Via del Golfo ist. Die komplette Strecke dauert etwa 6 Stunden, aber man kann auch kürzere Abschnitte wandern.


