Rom hat im Dezember 2025 einen bedeutenden Meilenstein in seiner städtischen Mobilität erreicht: Nach mehr als einem Jahrzehnt Bauzeit sind zwei neue Stationen der Metro-Linie C eröffnet worden, darunter eine direkt unter dem Kolosseum und eine weitere bei der Porta Metronia im historischen Zentrum der Stadt. Beide Haltestellen verbinden moderne Verkehrsinfrastruktur mit dem reichen archäologischen Erbe der ewigen Stadt und gelten als sogenannte „Archäostationen“ oder museumsartige Verkehrsknotenpunkte.
1. Historischer Kontext und Bau der Metro-Linie C
Die Metro C ist Roms neueste U-Bahnlinie, die seit vielen Jahren in Bau ist. Ursprünglich schon für das Jahr 2000 geplant, verzögerte sich die Fertigstellung vielfach wegen finanzieller Engpässe, administrativer Hürden und nicht zuletzt der komplexen archäologischen Situation unter dem historischen Zentrum. Die Linie wird perspektivisch etwa 29 Kilometer lang sein, rund 20 Kilometer davon im Untergrund, mit etwa 31 Stationen, wenn das Projekt vollendet ist.
Metro C verlängert die städtischen Verkehrsachsen deutlich: Sie verbindet nun erstmals die östlichen Vororte Roms direkt mit dem antiken Stadtkern. Die Strecke verläuft vom bisherigen Endpunkt San Giovanni, wo ein Umstieg zur Linie A möglich ist, bis hin zur neuen Haltestelle Colosseo-Fori Imperiali im Herzen Roms.
2. Der Bahnhof unter dem Kolosseum: Ein Museum im Untergrund
Der neue Bahnhof Colosseo-Fori Imperiali liegt etwa 32 Meter unter der Erde und wurde so konzipiert, dass die beim Bau entdeckten Funde Teil des Besuchererlebnisses werden. Die Raumgestaltung erinnert bewusst an einen unterirdischen Museumsrundgang. In den Zugangswegen, Gängen und Hallen sind Vitrinen, Bildtafeln und Multimedia-Stationen installiert, die über die Ausgrabungen und die Geschichte des Gebiets informieren.
Während der Bauarbeiten kamen beeindruckende Überreste zutage, darunter:
- 28 Brunnen aus der republikanischen Zeit,
- Reste eines römischen Bades (Balneum) und weiterer Gebäude,
- Alltagsgegenstände wie Keramik, Lampen, Haarepinke, Ölkrüge und Steinvasen.
Diese Funde stammen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. und geben unmittelbare Einblicke in das Leben und die Bautätigkeit in der Nähe des Kolosseums über mehr als zwei Jahrtausende hinweg.
3. Archäologie trifft Verkehr: Porta Metronia
Die zweite neue Station, Porta Metronia, befindet sich nahe der gleichnamigen antiken Stadtmauer. Bei den Ausgrabungen wurde eine römische Militärkaserne aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. freigelegt, die unter anderem Fresken, Mosaike und Wohnräume enthielt. Diese Funde sollen künftig in einem eigenen Museumsbereich innerhalb oder neben der Station gezeigt werden, der voraussichtlich im Frühjahr geöffnet wird.
Auch hier wird die direkte Verbindung zwischen Verkehrsinfrastruktur und Archäologie gepflegt: Passagiere können Teile der entdeckten Strukturen durch großzügige Fenster in der Station sehen, bevor sie in den Zug einsteigen.
4. Bedeutung für den städtischen Verkehr
Die Eröffnung dieser Stationen ist nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch ein funktionaler Fortschritt für das römische Verkehrsnetz. Die Metro C bindet historische Bereiche in das öffentliche Verkehrsnetz ein, entlastet die Oberfläche vom Straßenverkehr und schafft neue intermodale Knotenpunkte zwischen den Linien. Die Station Colosseo ermöglicht nun sogar den Umstieg zwischen Linie B und Linie C, was die Vernetzung des gesamten Systems verbessert.
Trotz der langen Verzögerungen wird die Metro C als Schlüsselprojekt für die nachhaltige Mobilität Roms angesehen. Sie soll nicht nur Einheimischen und Pendlern zugutekommen, sondern auch Touristen – die gleich mehrere Sehenswürdigkeiten auf einer einzigen Linie erreichen können.
5. Fazit
Der neue Metro-Bahnhof unter dem Kolosseum ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie moderne Infrastruktur und der Schutz des kulturellen Erbes miteinander verschmolzen werden können. Durch innovative archäologische Konzepte und eine intelligente Integration der Funde in den Stationsbau entsteht ein öffentlicher Raum, der zugleich Verkehrsknotenpunkt und Museum ist. In einer Stadt wie Rom, die historisch über Jahrtausende gewachsen ist, stellt dieser Bahnhof ein Symbol dafür dar, wie Vergangenheit und Gegenwart im urbanen Raum koexistieren und voneinander profitieren können.
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